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Haus- und Familienarbeit: Die traditionellen Rollenbilder dominieren

In Deutschland ist gesellschaftliche Realität, dass Haus- und Familienarbeit nach wie vor größtenteils von Frauen erledigt wird. Die Anerkennung, die sie dafür von ihrem Partner erfahren, empfinden zwar die meisten Frauen immerhin als ausreichend - Männer und Frauen sind sich aber darin einig, dass die Beiträge, die Mütter im Haushalt und zur Erziehung der Kinder leisten, in der Gesellschaft insgesamt zu wenig gewürdigt werden.

Basis des Beitrags ist die „Vorwerk Familienstudie 2009 - Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage zur Familienarbeit in Deutschland“. Hierfür wurden vom Institut für Demoskopie Allensbach im Juni vergangenen Jahres insgesamt 1.832 Personen ab 16 Jahre befragt.
 

Die Mütter tragen die Hauptlast der Familienarbeit

Die Emanzipation von Frauen hat in den zurückliegenden Jahrzehnten viele Fortschritte erzielt. Die „Arbeitsteilung“ zwischen Frauen und Männern in Sachen Hausarbeit und Erziehung der Kinder folgt aber offenbar nach wie vor weitgehend traditionellen Rollenbildern. Wie die jüngste Vorwerk-Familienstudie zeigt, sind Hausarbeit und Kindererziehung noch immer vor allem Frauensache: 77 % der Mütter mit Kindern unter 16 Jahren leisten nach eigenen Angaben den größten Teil oder sogar die gesamte Arbeit. Dass die befragten Frauen damit keineswegs übertreiben, macht die große Übereinstimmung mit den Aussagen der Väter deutlich: Die überwiegende Mehrheit von ihnen bekennt, „nur den kleineren Teil“ (60 %) oder „kaum etwas bzw. gar nichts“ (10 %) zur Haus- und Familienarbeit beizutragen.

 

Wertschätzung von Familien- und Hausarbeit in Deutschland
Vor diesem Hintergrund muss es den betroffenen Frauen doppelt ungerecht vorkommen, dass ihre männlichen Kollegen für das wenige, das sie zur Familienarbeit beitragen, sogar noch deutlich mehr Lob und Anerkennung erfahren. Jedenfalls empfinden das die befragten Männer so: 72 % von ihnen meinen, dass ihr Beitrag zur Familienarbeit von ihrer Partnerin genügend anerkannt wird; umgekehrt können das nur 58 % der Frauen - bei Müttern mit Kindern von 3 bis 17 Jahren sind es gar nur 48 % - von ihrem Partner sagen.

Verglichen mit der wahrgenommenen gesellschaftlichen Wertschätzung von Familienarbeit sind das allerdings noch positive Werte. Denn nur ein Fünftel aller Befragten und gar nur 13 % der Frauen haben den Eindruck, dass Haus- und Familienarbeit in der Gesellschaft insgesamt genügend Anerkennung findet. Dabei ist der Trend erstmals seit längerer Zeit negativ: Nach 62 % im Jahr zuvor klagen nun 67% der Befragten über eine mangelnde gesellschaftliche Anerkennung; unter den Frauen sind es sogar fast acht von zehn, die Familienarbeit in der Gesellschaft nicht hinreichend gewürdigt sehen.

 

Mädchen werden zu den Hausarbeiten stärker herangezogen
Einen interessanten Hinweis darauf, warum Frauen überhaupt noch immer den größten Teil der Haus- und Familienarbeit leisten, geben die Auskünfte der Befragten, inwieweit Kinder in die Hausarbeit einbezogen werden. Etwa ab dem siebten oder achten Lebensjahr ihrer Sprösslinge erwarten Eltern von ihnen, dass sie im Haushalt mithelfen. Väter sehen die Kinder dabei etwas früher in der Pflicht (6,6 Jahre) als die Mütter (8,1 Jahre). Einen prägenden Einfluss auf das spätere Rollenverhalten dürfte aber haben, dass Mädchen deutlich stärker zur Hausarbeit herangezogen werden als Jungen; 57 % der Mütter und 45 % der Väter bestätigen dies. So werden die trationellen Rollenmuster offensichtlich auf die Kinder übertragen; viele Jungen wachsen wohl in dem Bewusstsein auf, dass Hausarbeit nicht wirklich zu ihren Aufgaben gehöre.
 

Unterstützung durch die Großeltern

Fairerweise sollte an dieser Stelle allerdings nicht unterschlagen werden, dass auch Jungen weiterhin traditionellen Rollenerwartungen unterliegen, insbesondere jener, später zumindest den größeren Teil des Familienunterhalts aufzubringen. Häufig mit der Folge, dass sie dann tatsächlich kaum in der Lage sind, sich im gleichen Umfang oder gar stärker als ihre Partnerin an der Familienarbeit zu beteiligen. In Zeiten steigender Erwerbstätigkeit von Frauen verliert das Argument allerdings zunehmend an Überzeugungskraft.

In jedem Falle ist es gerade für Eltern, die beide im Beruf stehen, von großem Vorteil, wenn sie auch auf die Hilfe ihrer eigenen Eltern zurückgreifen können. Und tatsächlich sind diese wichtige Stützen für die Familien: Zwei Drittel der Befragten können bei Kinderbetreuung und Hausarbeit auf die Unterstützung durch die Großeltern bauen - auf die der Großväter im Übrigen in fast ebenso hohem Maße wie die der Großmütter.

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