Konjunktur

Konjunkturbericht - August 2010

Wirtschafts- und Finanzkrise noch nicht überwunden

  • Die jüngsten Konjunkturdaten in Deutschland haben erneut positiv überrascht. Das gilt nicht nur für das außerordentlich hohe Wachstumstempo im zweiten Quartal, sondern auch für wichtige Indikatoren, wie zum Beispiel die Industrieaufträge, die bereits erste Hinweise auf die wirtschaftliche Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte geben.
  • Dennoch ist klar, dass die Erholung in Deutschland nicht im bisherigen Rekordtempo weitergehen wird. Denn ein großer Teil des Wachstums im zweiten Quartal ist auf Nachholeffekte der Bauwirtschaft zurückzuführen, die im dritten Quartal fehlen. Zudem wird der weltwirtschaftliche Rückenwind für die deutsche Wirtschaft in den kommenden Monaten spürbar abflauen. Eine aktualisierte Wachstumsprognose für 2010 und 2011 wird der Bankenverband auf der halbjährlichen Konjunktur-Pressekonferenz am 16. September dieses Jahres veröffentlichen.
  • Die sich für das zweite Halbjahr also bereits abzeichnende Verlangsamung der wirtschaftlichen Entwicklung sollte davor warnen, die Finanz- und Wirtschafskrise in Deutschland als erledigt zu betrachten. Das europäische Staatsschuldenproblem – dessen nachhaltige Eindämmung noch weiterer Zeit und Anstrengungen bedarf – muss als Teil der Wirkungskette gesehen werden, die sich aus der Finanz- und Wirtschaftskrise ergeben hat. In zahlreichen Industrieländern wird es noch länger dauern, die strukturellen Wachstumsprobleme zu bereinigen. Dies geht mit einem niedrigeren Wachstum einher. Zudem müssen die geplanten regulatorischen Änderungen für den Bankensektor – insbesondere in ihrer kumulativen Wirkung – sorgfältig beachtet werden. Studien zeigen, dass das Wirtschaftswachstum ohne Zweifel auch hiervon beeinträchtigt werden wird.
  • Die deutsche Wirtschaft ist gegenwärtig auch deshalb in guter Verfassung, weil im vergangenen Jahrzehnt tiefgreifende Wirtschaftsreformen in Angriff genommen wurden. Es wäre aber fatal, wenn man sich nun auf dem Erreichten ausruhte. Vor allem darf die gute Konjunkturentwicklung nicht zum Anlass genommen werden, vom geplanten Konsolidierungskurs der öffentlichen Finanzen abzurücken.
  • Bei der Arbeitslosigkeit sind in Deutschland rund 90 % des krisenbedingten Anstiegs schon wieder kompensiert. Dennoch hat sich der private Konsum bislang kaum erholt. Das ist zu einem großen Teil darauf zurückzuführen, dass es in den vergangenen zwei Jahren über die Kurzarbeit hinaus zu weiteren Arbeitszeitverkürzungen gekommen ist, beispielsweise durch mehr Teilzeitbeschäftigung. Das Arbeitsvolumen (geleistete Arbeitsstunden) wird auch am Jahresende noch nennenswert unter dem Stand von 2008 liegen. Die Ausweitung der Beschäftigung bleibt aber der Schlüssel für eine nachhaltige Belebung des privaten Konsums in Deutschland. Ein wichtiges Instrument ist dabei die Begrenzung der Lohnzusatzkosten durch Strukturreformen in den Sozialversicherungen. Auch die ergänzenden Arbeitslosengeld-II-Zahlungen für Erwerbstätige sind auf dem Weg zu mehr Beschäftigung hilfreich. Vorschläge zur Verschiebung der „Rente mit 67“ oder die Einführung eines allgemeinen Mindestlohns sind hingegen beschäftigungspolitisch kontraproduktiv.
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Schlusswerte vom 8.9.2010

 

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Konjunktur

Videocast Brabaender

26.8.2010 - Die deutsche Wirtschaft brummt. Ist die Finanzkrise überwunden? Der Chefvolkswirt des Bankenverbandes Bernd Brabänder über das Wirtschaftswachstum in Deutschland und die Konjunktur-Perspektiven.

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