Schönhauser Gespräche: Vorabendrede
10. November 2010 - Es gilt das gesprochene Wort
| Andreas Schmitz Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken, Berlin, und Sprecher des Vorstandes der HSBC Trinkaus & Burkhardt AG, Düsseldorf |
Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Wirtschaft wächst, sie wächst so stark wie seit 20 Jahren nicht mehr, und die Gesellschaft zweifelt. So ließe sich – sehr verkürzt, aber im Kern doch zutreffend – die Stimmungslage in diesen Tagen und Wochen im Lande beschreiben.
Dass die Wirtschaft wächst und vor allem, dass sie dabei solche Wachstumsraten aufweist, ist erstaunlich genug. Wer hätte schließlich vor einem Jahr darauf gewettet, dass es nach dem dramatischen Wirtschaftsabsturz 2009 nun fast ebenso steil wieder aufwärts gehen würde?
Die positiven Botschaften überschlagen sich geradezu und müssen den Bürgern nach mehr als drei Jahren andauernder Krisenberichterstattung fast unwirklich vorkommen: So ist die Arbeitslosigkeit selbst während der Krise gesunken, Tendenz weiter fallend. Ein einmaliges Phänomen in Europa. Unser Außenhandel boomt wie selten zuvor; und dass die Unternehmen schon vor der Krise viel getan haben, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und dann auch noch in der Krise die Arbeitsplätze gehalten haben, macht sich nun bei einem wieder anziehenden Welthandel ebenso positiv bemerkbar wie die Kurzarbeiterregelung und die moderate und maßvolle Lohnpolitik der zurückliegenden Jahre. Schließlich eine weitere gute Botschaft: Der Aufschwung steht – was es schon lange nicht mehr gab – nicht nur auf einem, sondern zunehmend auf zwei Beinen: Denn neben der Außenwirtschaft hat nun auch die Binnennachfrage spürbar angezogen und trägt somit ebenfalls zum Aufschwung bei.
