Fünf Thesen zu Parallelen von Wirtschaftsjournalismus und Finanzbranche
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4. Mai 2010 - Es gilt das gesprochene Wort
Andreas Schmitz
Präsident des Bankenverbandes
Dinner Speech anlässlich der Verleihung der Preise für Wirtschaftsjournalismus
4. Mai 2010, Frankfurt am Main, Opera
Sehr geehrter Herr Oberauer,
sehr geehrter Herr Esener,
sehr geehrter Herr Fröhlich,
meine sehr geehrten Damen und Herren!
Beim Verfassen dieser Rede ist mir wieder einmal bewusst geworden, dass ein Redner oftmals vor ähnlichen Herausforderungen steht, wie ein Journalist. Der Journalist muss seine Message in strikten Wort- oder sogar Zeichenlimits unterbringen, der Redner wiederum hat zwar kein Wortlimit, liegt aber üblicherweise im Clinch mit der Zeit. Gemeinsam haben Redner und Journalist auch, dass oft die ersten Sätze über Gunst und Missgunst der Leser bzw. Zuhörer entscheiden. Dabei ist der Leser allerdings in der deutlich besseren Position im Vergleich zu Ihnen heute hier, meine Damen und Herren. Der Leser kann einen Artikel bei Nichtgefallen – ohne unhöflich zu sein - einfach aus der Hand legen. Sie hingegen müssen nicht, das wäre unhöflich von mir zu sagen, sondern Sie dürfen nun meine Rede anhören – und das völlig unabhängig davon, ob Sie Ihnen gefällt oder nicht.
Aber nicht nur Redner, sondern auch mein originärer Berufsstand, die Banker, und die Wirtschaftsjournalisten haben dieser Tage viel gemeinsam. Allerdings in etwas anderer Hinsicht: Beide Berufsstände rangieren in der Beliebtheit auf der nach unten offenen Beliebtheitsskala der Bevölkerung momentan ganz unten. Nachdem man sich als Banker ja schon an die Büßerrolle gewöhnt hat, läuft nun auch im Nachgang der Wirtschaftskrise ein kleiner Feldzug gegen Ihre, die schreibende Zunft.
Nehmen wir zum Beispiel die aktuelle Studie der Otto-Brenner-Stiftung zu der Frage, was von der Leistung der Wirtschaftsmedien und der Qualität ihrer Berichterstattung über die Krise zu halten sei. Die Antwort ist: nicht viel.
So wird – ich zitiere – dem „tagesaktuellen deutschen Wirtschaftsjournalismus Pfusch am Bau“ attestiert, weit und breit herrschten Unkenntnis und Missverständnisse.
Nun bin ich weder geneigt noch berufen, in diesen Chor einzustimmen. „Pfusch am Bau“, das ist noch eine Liebeserklärung verglichen mit dem, was Bankern so alles an den Kopf geworfen wird, wobei ich mich so langsam frage, wann der Volkssport Banker-Bashing zu olympischen Ehren kommt. Aber zurück zur Studie der Otto-Brenner-Stiftung: Ich könnte sie jetzt für Ihre Ohren freundlich interpretieren, könnte differenzieren zwischen dpa und Tagesschau, FTD und Handelsblatt, zwischen Süddeutscher und FAZ. Zum Schluss würde ich noch auf die Gewerkschaftsnähe der Studie hinweisen, sie als übertrieben darstellen und mich mit Ihnen versöhnen. Mission accomplished.
Das wäre die übliche Geschichte von „Hund beißt Mann“. Aber ich möchte es heute Abend mit der Geschichte „Mann beißt Hund“ versuchen. Weil ich glaube, dass alte Erklärungsmuster ebenso ausgedient haben wie alte Geschäftsmodelle – und zwar in Ihrer Welt, den Medien, genauso wie in meiner, den Banken. Und mehr noch: Ich möchte Ihnen in fünf Thesen zeigen, dass wir – Sie als Journalisten und wir als Banker – ein ziemlich ähnliches Schicksal teilen. Ob Sie das nun tröstet oder die Lust auf das Dinner verdirbt, vermag ich nicht zu beurteilen.
Meine erste These lautet: Das Image der Banker hat sich dramatisch dem der Journalisten angenähert – und das ist gar nicht gut so.
Eine Umfrage zu diesem Thema vom März dieses Jahres platziert die Journalisten wieder unter den Top 10 der unbeliebtesten Berufe. Ja, Sie haben richtig gehört: der unbeliebtesten Berufe. Aber, zumindest das mag Sie ein wenig trösten: Der Banker, von Bankier ist schon lang nicht mehr die Rede, ist noch unbeliebter. Dahinter kommen noch – in dieser Reihenfolge – Straßenkehrer, Politiker und Versicherungsvertreter. „Griechischer Ministerpräsident“ wurde nicht gefragt.
Es ist auch längst kein Geheimnis mehr, dass es selbst ein seriöses Publikum – Banker also ausgenommen – vor Beifall nicht auf den Sitzen hält, wenn ein Redner das Finanzgewerbe mit der Mafia vergleicht. Nicht nur in den angelsächsischen Ländern ist der Begriff "Bankster" längst in die Umgangssprache eingegangen, und ich halte es – ganz im Ernst – nicht für ausgeschlossen, dass er eines Tages im Duden zu sprachlichen Ehren kommt.
Sie, meine Damen und Herren, mögen es gewohnt sein, in der Rangliste der angesehensten Berufe in der unteren Hälfte zu rangieren. Für uns ist das neu. Aber keine Sorge, Mitleid erwarte ich jetzt nicht, möchte nur – ganz ernsthaft – darauf hinweisen, dass es hier auch um einen wirtschaftlichen Faktor geht. Der Slogan einer großen deutschen Bank – „Vertrauen ist der Anfang von allem“ – bringt es auf den Punkt. Und wo würde das mehr gelten als im Geschäft mit dem Geld?
Oder, um es mit Warren Buffet zu sagen: „Mitarbeiter sollten sich immer fragen, ob sie willens sind, dass irgendeine von ihnen erwogene Handlung auf der Titelseite ihrer Lokalzeitung erscheint. Wenn sie diesen Rat befolgen, so Warren Buffet weiter, werden sie seine andere Botschaft nicht fürchten: Verliere Geld für die Firma – und ich werde Verständnis zeigen. Verliere aber auch nur einen Fetzen Reputation – und ich werde unbarmherzig sein.“
Nach den Nachrichten vom vergangenen Wochenende aus Omaha frage ich mich allerdings, ob 15$ in der Sekunde nicht doch ein gutes Trostpflaster dafür sind, dass jemand beim Verfassen einer E-mail eben nicht daran gedacht hat, dass sie einmal in allen großen Tageszeitungen der Welt abgedruckt sein könnte.
Fakt ist, meine Damen und Herren, dass Banken Vertrauen verspielt haben. Manche mehr, andere weniger, aber jeder Fehler war einer zu viel, jeder neue nachgewiesene Exzess ein neuer Schlag ins Kontor derer, die angetreten sind, Vertrauen wieder aufzubauen.
Vor diesem Hintergrund kann ich dann auch akzeptieren, dass Banken und Banker vor dem Gericht der öffentlichen Meinung in der Defensive sind. Dass für sie die Unschuldsvermutung nicht mehr uneingeschränkt gilt und sie somit unter Anfangsverdacht stehen. Wir haben gesellschaftliche Strömungen zu lange nicht mit der gebotenen Sensibilität wahrgenommen, weil wir daran gewöhnt waren, uns auf einem von Regulatoren abgesteckten Spielfeld zu bewegen und dieses Spielfeld dann auch in seiner vollen Breite zu nutzen. Nun wissen wir, Banken können in einer Parallelwelt nicht gedeihen, sie brauchen die Zustimmung der Menschen und sie müssen der realen Wirtschaft dienen. Wir müssen für uns selbst eine Art „Risikomoral“ entwickeln, die auch in unserem ureigenen Interesse liegt. Denn im Unterschied zu anderen Branchen kann es Finanzdienstleistern nicht gleichgültig sein, wenn ein Wettbewerber zu hohe Risiken eingeht. Denn die Krise hat ja gerade gezeigt, dass dies auch die eigene Existenz gefährden kann.
Deshalb sage ich es mit aller Deutlichkeit: Wer in der Führung für eine Bank Verantwortung trägt und erst recht, wer – wie ich als Bankenpräsident – für die Branche Verantwortung trägt, der ist schon Teil einer moralischen Haftungsgemeinschaft, jedenfalls im Rückblick auf die Krise und jene ihrer Ursachen, die bei Banken zu suchen sind. Natürlich gibt es auch andere Ursachen, und damit Verantwortliche, doch das nur am Rand.
So oder so ist es an der Zeit, Vertrauen zurückzugewinnen. Das tun die Banken: Sie haben ihr Eigenkapital aufgestockt, lange bevor regulatorische Änderungen greifen. Sie bauen Risiken ab, setzen höhere Standards im Risikomanagement, arbeiten am „Deleverageing“ und verbessern ihre Liquiditätssteuerung.
Sie erhöhen den Anlegerschutz und richten ihre Vergütungssysteme so aus, dass nur noch der langfristige, nachhaltige Erfolg belohnt und Misserfolg sanktioniert wird – einschließlich der Selbstverpflichtung deutscher Banken zu Bonuszahlungen. Eigentlich ist es ja schon ein Gebot der Fairness, dass Banker nicht jene Zufallsgewinne als „Prämien für aussergewöhnliche Leistungen“ einstecken, die ihnen erst die massiven Staatshilfen ermöglicht haben.
Das alles, meine Damen und Herren, ist nötig. Es darf und es wird kein Zurück geben zu der Welt, wie sie vor der Krise war. Das gilt auch für den Rahmen, in dem Banken agieren: Nötig ist bessere Regulierung, nötig ist eine vor allem qualitativ bessere Bankenaufsicht. Und nötig ist auch Krisenvorsorge. Darum haben wir uns für eine Abgabe aller Finanzmarktakteure ausgesprochen und für einen Ordnungsrahmen zur Sanierung und Restrukturierung bzw. Abwicklung von Unternehmen des Finanzsektors. Damit es keine Wochenend- und Nachtsitzungen mehr geben muss, um eine systemisch relevante Bank zu retten. Damit der Steuerzahler vor Schlimmerem bewahrt wird und damit sich kein Finanzunternehmen mehr darauf verlassen kann, es sei schlicht und einfach „too big to fail“ oder „too connected to fail“. Es gilt aus Sicht der Politik, die den Bürgern infolge der Krise in den nächsten Jahren noch ein gehöriges Maß an Opferbereitschaft wird abverlangen müssen, den fatalen Eindruck zu beseitigen, dass die Verluste der Banken sozialisiert, ihre Gewinne aber privatisiert werden. Die Banken daher anzuhalten, ihren Teil der Lasten zu schultern, indem sie für zukünftige Krisen über die Prävention hinaus Vorsorge tragen, ist deshalb keine moralische Frage, sondern realpolitische Voraussetzung dafür, die Staatsverschuldung unter Kontrolle zu bringen.
Ich komme zu meiner zweiten These: Wir sind im Jahr 3 der Krise und noch keineswegs im Jahr 1 nach der Krise. So hat es Bundesbankpräsident Axel Weber ausgedrückt, und ich stimme ihm zu. Diese Wirtschafts- und Finanzkrise ist ein Absturz. Abgestürzt sind Banken, einige besonders; abgestürzt sind aber auch einzelne Banker, einige besonders; abgestürzt ist die Konjunktur, ist das Vertrauen in Finanzmärkte und in die Marktwirtschaft. Nun ist, wie der britische Autor und Bergsteiger Joe Simpson einmal scharfsinnig bemerkt hat, „der Sturz meist gar nicht das Problem – sondern der Aufprall.“
Und, meine Damen und Herren, der Aufprall der deutschen Konjunktur war hart, aber die deutsche Wirtschaft hat ihn überlebt. Nach einer kritischen Phase – sozusagen auf der Intensivstation – beginnt jetzt die langwierige Phase der Rehabilitation und des Wiederaufbaus. Unternehmen, Arbeitnehmer und der deutsche Fiskus haben nun eine gewaltige und jahrelange Anpassungsaufgabe vor sich, nämlich die Folgen eines dauerhaft nach unten verschobenen Wachstumspfads aufzuarbeiten. Und um hier Dinge zu verändern, sollten wir uns nicht weiter die Geschwindigkeit von Gletschern leisten. Denn sonst steht für die nächsten Jahre nicht mehr als ein Potenzialwachstum von unter einem Prozent, verglichen mit einem Potenzialwachstum von knapp 3 Prozent zu Beginn der 90er Jahre.
Im Gegenzug deuten viele Anzeichen darauf hin, dass das Zeitalter der „Great Moderation“ erst einmal vorbei zu sein scheint. Ein Zeitalter, in dem seit den frühen 80er Jahren die Volkswirtschaften der großen Industrienationen relativ geringen Konjunkturschwankungen und niedrigen Inflationsraten ausgesetzt waren. Nunmehr spricht einiges dafür, dass zunehmende Volatilität im globalen Wirtschaftssystem zum ständigen Begleiter werden könnte.
Nichtsdestotrotz gilt es, die Chance zu nutzen, unser Wachstum auf ein festeres Fundament zu stellen, vor allem an den Finanzmärkten. Nachhaltiges Wachstum durch nachhaltige Geschäftsmodelle – darum sollte es allen Banken gehen, und zwar nicht nur im eigenen Interesse, sondern auch im Interesse der gesamten Wirtschaft, die mit gesunden, den Kunden und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellenden Banken nun mal am besten fährt.
Doch wie auch immer: Wenn es irgendwann vorbei ist, werden nicht mehr alle an Bord sein, weder die Hauptakteure, noch die uns vertrauten Institutionen. Ein Traditionshaus wie die Dresdner Bank wurde nach 137 Jahren aus dem Handelsregister gestrichen und eine der größten europäischen Privatbanken wie Oppenheim erfährt nach 221 Jahren eine gravierende Zäsur in seiner Eigentümerstruktur. Auf Vorstandsebene dreht sich das Personalkarussell in Banken immer schneller – nicht zuletzt beeinflusst durch den Druck der Medien. So ist es doch eigentlich erstaunlich, dass Josef Ackermann, der in den Medien von Zeit zu Zeit – um nicht zu sagen „gehäuft“ – Kritik erfährt, unter den größten 25 deutschen Banken mittlerweile einer, wenn nicht gar der am längsten amtierende Vorstandschef ist.
Übrigens sind im vergangenen Jahr 80 weitere Bankhäuser in Deutschland geschlossen worden – aber es kamen auch 32 neu hinzu. Hier nun, meine Damen und Herren, kommen Sie, kommen die Medien ins Spiel. Warum soll es ihnen anders ergehen als den Banken? Vielleicht können wir, wer weiß, nächstes Jahr hier in dieser Runde mit dem Magazin „Woche“, der Austschen Neugründung, ein neues Blatt begrüßen und müssen anderen Blättern Nachworte widmen. Ich will da nicht unken. Mir als Banker und Zahlenmensch sollten Sie es allerdings nicht verübeln, wenn ich mir angesichts dramatisch sinkender Auflagen und Umsätze so meine Gedanken mache.
Nein, ich bin mir sicher – und das ist meine dritte These –, dass wir in der Welt der Medien wie bei den Banken vor großen Veränderungen stehen.
Anders ausgedrückt: Einige Banken und einige Verlage sind intensiv auf der Suche nach neuen Geschäftsmodellen. Früher schien alles so viel einfacher gewesen zu sein. Die Zeitung galt lange Zeit als verlaesslichste Informationsquelle und der Verleger sah sich einer Situation gegenueber in der eine gesteigerte Auflage auch automatisch zu einer Steigerung der Werbeeinnahmen fuehrte. Auch der Banker hatte vermeintlich früher ein einfacheres Leben. So zumindest nach Oskar Lafontaine, der mich im Rahmen einer Fernsehdiskussion vor 2 Wochen mit einer alten 3-6-3 Regel konfrontierte, die mir bis dahin in meinem nun auch schon 20-jährigen Dasein als Banker noch nie untergekommen war. Danach nimmt man das Geld zu 3 % rein, leiht es zu 6 % aus und steht um 3 Uhr auf dem Golfplatz. Leider gehören 3%ige Margen schon lange der Vergangenheit an, wenngleich man unmittelbar nach Lehman einen Hauch davon erahnen konnte. Gleichwohl reichte es auch dann wegen anderer Themen leider nicht für den Golfplatz.
Heute, meine Damen und Herren, mit zunehmenden Vertiebskanaelen und groesserer Produktvielfalt sowohl im Medien- als auch im Bankensektor, sind einige Geschaeftsmodelle einfach ueberholt.
Schauen Sie sich allein den Online-Markt an! Es gab eine Zeit, da firmierten Online-Chefs als Ressortleiter. Heute sind sie Chefredakteure. Die Unique-User-Zahlen liegen oft weit über den Leserzahlen der Print-Publikation, und mancher Online-Chef ist sogar „richtiger“ Chefredakteur geworden – undenkbar noch vor wenigen Jahren.
In wenigen Wochen steht in Deutschland – vielleicht – wieder ein Quantensprung ins Haus – das iPad kommt. Stichwort: Paid Content. Wir werden sehen, was das an Veränderung bedeutet, welches Geschäftsmodell dafür taugt und wer dann baden geht: Denn – dies ist wieder O-Ton Warren Buffet – “erst wenn die Ebbe kommt, sieht man, wer keine Badehose anhat.“ Na gut, „Ebbe“ hat Warren Buffet hier auf die ausgetrockneten Märkte in der Finanzkrise bezogen und gemeint hat er Finanzunternehmen ohne funktionierendes Geschäftsmodell. Aber ohne das kommen eben auch Medienunternehmen nicht aus.
Damit, meine Damen und Herren, komme ich zu meiner vierten These: Die Welt der Banken und die Welt der Medien werden sich beide rasch weiter wandeln – und diesen Wandel wird der Kunde treiben.
Über verändertes Kundenverhalten brauche ich Ihnen eigentlich nicht viel zu erzählen. Sie erleben ja täglich oder jede Woche, wie der Kunde am Kiosk abstimmt. Was da vielleicht noch auf uns zukommt, zeigt eine Zahl aus den USA: In den letzten zwölf Monaten haben die Tageszeitungen dort landesweit durchschnittlich mehr als 10 Prozent ihrer Käufer verloren.
Der Absatz von Nachrichten, die auf Papier gedruckt sind, ist so niedrig wie seit 70 Jahren nicht mehr – und das bei einer heute deutlich größeren Bevölkerung.
Das Spiegelbild dazu ist der Anstieg der Besucherzahlen auf den Webseiten von Zeitungsverlagen: Er nimmt sogar stärker zu, wie der Verkauf gedruckter Exemplare zurückgeht. Der Haken dabei ist: Online lassen sich bei weitem nicht so hohe Werbeumsätze generieren. Die Umsätze der großen Verlage sinken daher rapide: zum Beispiel um 27 Prozent bei der beim Times und um 29 Prozent bei der Washington Post.
Meine Damen und Herren,
ich bitte Sie aber, das nicht als Lamento zu verstehen. Letztlich sagen diese Zahlen nur: Die Welt dreht sich weiter. Banken und Medien werden in zehn Jahren nicht mehr die sein, die sie heute sind. Alles andere wäre auch erstaunlich. Und damit komme ich zu meiner fünften These und zum Schluss. Diese These lautet: Qualität wird wieder wichtiger. Als Banken, ich sagte es schon, werden wir nur dann das nötige Vertrauen zurückgewinnen, wenn wir es schaffen, auf Dauer eine hohe Qualität – im Sinne der Kunden – zu liefern.
Und für Ihr Geschäft gilt das auch. Denn was immer iPad und iSlate, das mobile Internet und andere Entwicklungen bringen werden: Am Ende muss es auch einen Inhalt, einen Nutzen geben, der in seiner Qualität den Kunden überzeugt. Und daraus werden sich dann auch wieder Geschäftsmodelle ableiten lassen. Oder, um den Blogger Sascha Pallenberg zu zitieren:
„Ich bin der festen Überzeugung: Wenn du ein gutes Blog mit ein paar Tausend Besuchern und tollen Content hast, kannst du jedes Blog monetarisieren.“ Zitat Ende.
Es geht also um Qualität. Um besonders qualitätsvolle Arbeiten des Wirtschaftsjournalismus zu ehren, sind wir heute zusammen gekommen. In diesem Sinne kann ich also nur sagen: Sie sind auf dem richtigen Weg. Vor allem sind diejenigen auf dem richtigen Weg, denen wir heute Abend die Preise in 13 Kategorien überreichen werden. Ich hoffe, ich verrate nicht zu viel, wenn ich sage, dass der ein oder andere bekannte Titel und der ein oder andere bekannte Journalist darunter sind.
Aber dazu später mehr. Ich wünsche Ihnen eine wunderbare Veranstaltung mit guten, anregenden Gesprächen sowie einen guten Appetit!
