Konjunkturbericht – März 2010
Zahlreiche Stolpersteinen auf dem Weg der wirtschaftlichen Erholung
- Die Weltwirtschaft erholt sich recht schnell von der Rezession. Impulsgeber sind vor allem die asiatischen Schwellenländer. In den Industrieländern ist die wirtschaftliche Dynamik hingegen noch verhalten. Hinzu kommt, dass sich gerade in den Industrieländern mit der kräftig gestiegenen Staatsverschuldung neue Problemfelder öffnen, die die längerfristigen Wachstumsperspektiven belasten. Zudem stellt das Auslaufen beziehungsweise die allmähliche Rücknahme der massiven wirtschaftspolitischen Konjunkturhilfen eine Rückschlaggefahr dar. Die Aussichten für die Weltwirtschaft bleiben daher verhalten. Das globale Wachstumstempo dürfte sich im kommenden Jahr kaum beschleunigen und in etwa auf dem Niveau von 4 % verharren.
- Die wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum ist bislang nur schleppend vorangekommen und hat sich im vierten Quartal 2009 wieder spürbar verlangsamt. Angesichts der weiterhin positiven Stimmungsindikatoren und der aufwärts gerichteten Bestellungen ist ein Rückfall in eine Rezession aber nicht zu befürchten. Längerfristige Probleme werden jedoch die erhöhten Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion bereiten. Aus heutiger Sicht wird das Wirtschaftswachstum im Euro-Raum in diesem und im nächsten Jahr mit jeweils rund 1 ¼ % merklich hinter dem Wachstum in den USA zurückbleiben.
- Die deutsche Wirtschaft, die die Rezession bereits im Frühjahr letzten Jahres hinter sich lassen konnte, ist im Winterhalbjahr wieder in eine Schwächephase gerutscht. Ähnlich wie im Euro-Raum lassen die Frühindikatoren aber spätestens für dieses Frühjahr eine Fortsetzung der Erholung erwarten. Im Jahresdurchschnitt 2010 könnte das Bruttoinlandsprodukt um rund 1 ½ % steigen. Im nächsten Jahr dürfte diese Rate beibehalten werden, wobei die Erholung dann bei nachlassenden geld- und fiskalpolitischen Impulsen stabiler und selbsttragend wird.
- Der deutsche Arbeitsmarkt hat sich bislang, auch wegen der Kurzabeiterregelung, als überraschend robust erwiesen. Gleichwohl kann noch keine Entwarnung gegeben werden. Im Gegenteil: Hohe Überkapazitäten, stark gestiegene Lohnstückkosten und eine aller Voraussicht nach weiter zunehmende Zahl von Unternehmensinsolvenzen werden die Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten weiter steigen lassen.
- Ernsthafte Inflationsrisiken sind gegenwärtig weder in Deutschland noch im Euro-Raum zu erkennen. Die Teuerungsrate wird in der Währungsunion und in Deutschland voraussichtlich auch im nächsten Jahr mit rund 1 ½ % unter der mittelfristigen Zielmarke der Europäischen Zentralbank von knapp 2 % liegen.
- Die Europäische Zentralbank hat damit begonnen, die außergewöhnlichen Liquiditätsmaßnahmen schrittweise zurückzunehmen. Sie geht dabei völlig zu Recht mit Bedacht vor. Für eine Straffung der Leitzinsen besteht derzeit kein Handlungsdruck. Die sehr moderaten Inflationsprognosen sowie das vergleichsweise schwache Wirtschaftswachstum haben die Wahrscheinlichkeit deutlich erhöht, dass der Leitzins in diesem Jahr unverändert bleibt. Für eine auch langfristig niedrige Inflationserwartung ist hingegen der kürzlich in einer Studie des Internationalen Währungsfonds unterbreitete Vorschlag, das Inflationsziel der Notenbanken zu erhöhen, nicht hilfreich.
Vollständiger Konjunkturbericht [PDF - 91
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