Viele Deutsche sehen dem künftigen Verhältnis zwischen Jung und Alt mit einiger Besorgnis entgegen, wenn sie an die Entwicklung der sozialen Sicherungssysteme in Deutschland denken. Von einem Generationenkonflikt kann allerdings gegenwärtig keine Rede sein.
Die Umfrageergebnisse wurden im Auftrag des Bankenverbandes im September und Dezember 2009 vom ipos-Institut Mannheim unter 1.016 bzw. 2.503 erwachsenen Deutschen telefonisch erhoben.
Sechs von zehn Deutschen glauben zwar, dass es angesichts von Finanzproblemen bei der Renten- und Krankenversicherung künftig zu größeren Konflikten zwischen den Generationen kommen wird, auf das heutige Verhältnis zwischen Jüngeren und Älteren hat diese Befürchtung bislang aber keine spürbaren Auswirkungen.
Jedenfalls kann von einem Generationenkonflikt in der Gesellschaft derzeit gewiss nicht gesprochen werden. Im Gegenteil: Unter den von den Deutschen wahrgenommenen Konflikten spielen Probleme zwischen Jung und Alt eine allenfalls untergeordnete Rolle. Zwar meint ein Drittel der Deutschen, es gebe starke oder sehr starke Konflikte zwischen den Generationen, verglichen mit anderen Konflikten, etwa zwischen Arm und Reich (74 %) oder zwischen Ausländern und Deutschen (54 %), ist das aber ein sehr geringer Wert. In einer Liste sechs gesellschaftlicher Konflikte liegen die gefühlten Spannungen zwischen den Generationen auf dem vorletzten Platz, knapp vor den Problemen, wie sie die Deutschen zwischen Männern und Frauen vermuten.
Dass die Konflikte zwischen den Generationen derzeit kaum ausgeprägt sind, bedeutet natürlich nicht, dass dies auch künftig so bleiben muss. Die ökonomischen Rahmenbedingungen, insbesondere die demografischen Veränderung, weisen schon seit längerem auf eine Verschärfung der Interessengegensätze zwischen Jung und Alt hin. Gerade mit Blick auf die Rentenversicherung ist in den letzten Jahren und Jahrzehnten immer offenkundiger geworden, dass die gesetzliche Rente das individuelle Wohlstandsniveau der Bürger im Alter nicht mehr garantieren kann und der „Generationenvertrag“ durch demografische Veränderungen gefährdet ist. Aber auch die zunehmende Verschuldung des Staates droht nicht nur die mittelfristige Handlungsfähigkeit der Politik weiter einzuengen, sondern wird angesichts der Verschiebung immenser Finanzlasten in die Zukunft immer mehr auch zu einer Frage der Generationengerechtigkeit. Die damit verbundenen Fragen waren jüngst Thema eines Symposiums des Bankenverbandes in der Reihe „Deutsche Fragen“. Einen Bericht über Ablauf und Ergebnisse der Veranstaltung finden Sie in der nächsten inter|esse-Ausgabe.