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Konjunkturbericht – Juni 2009

24. Juni 2009 - Talsohle in Sicht – Rezession wird aber noch lange nachwirken

  • Allem Anschein nach haben sowohl die Weltwirtschaft als auch die Konjunktur in Deutschland nach dem Winterhalbjahr 2008/2009 ihren stärksten Einbruch hinter sich. Für das zweite Quartal 2009 ist in Deutschland zwar erneut mit einem Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Leistung zu rechnen, im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Quartalen wird dieser aber deutlich geringer ausfallen. Legt man die sich wieder aufhellenden Stimmungsindikatoren zugrunde, dann ist im dritten Quartal ein Ende des Abwärtstrends beim Bruttoinlandsprodukt möglich.
  • Die allmählich zurückkehrende konjunkturelle Zuversicht darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Weg aus der Rezession beschwerlich sein wird. Vor allem ist auch nach einer wirtschaftlichen Stabilisierung aus heutiger Sicht allenfalls mit einer holprigen und relativ kraftlosen Erholung zu rechnen. Dies hängt auch mit dem besonders starken Einbruch der Wirtschaftsleistung zusammen, der für Deutschland in diesem Jahr auf rund 6 % prognostiziert wird. Die Vorstellung, dass nach einem solchen Einbruch eine „normale“, kräftige Konjunkturerholung einsetzt, ist nicht plausibel. Vielmehr wird die tiefe Rezession wegen hoher Überkapazitäten in der Industrie und einer deutlich gesunkenen Arbeitskräftenachfrage sowohl bei der Investitionstätigkeit als auch am Arbeitsmarkt längere Zeit nachwirken. Dies wird eine mögliche konjunkturelle Erholung empfindlich beeinträchtigen.
  • Als Folge der Rezession sinkt auch das Potenzialwachstum in Deutschland, das vor der Krise bei etwas mehr als 1 ½ % lag. Unterstellt man für die kommenden Jahre einen längerfristigen Wachstumstrend von rund 1 ¼ %, dann wird beim Bruttoinlandsprodukt in Deutschland das Vorkrisenniveau erst zum Jahresende 2015 wieder erreicht werden. Selbst bei einer Potenzialrate von 1 ½ % würde der Weg rund fünf Jahre dauern.
  • Enorme Nachwirkungen löst die Rezession auch bei den Staatsfinanzen aus. In Deutschland droht die Staatsverschuldung bis Ende nächsten Jahres auf rund 80 % des Bruttoinlandsprodukts zu steigen – knapp 15 Prozentpunkte mehr als im Jahre 2008. Um hier gegenzusteuern, ist eine aktive Konsolidierungspolitik unverzichtbar. Dies sollte mit Einsparungen beziehungsweise einer stark gebremsten Ausgabenentwicklung geschehen. Steuererhöhungen würden nämlich die Binnennachfrage – ohnehin die Achillesferse der deutschen Wirtschaft – und das Wirtschaftswachstum noch stärker dämpfen. Mit Blick auf den erheblichen Konsolidierungsbedarf sollten bereits jetzt glaubwürdige Konzepte zur Rückführung der expansiven Fiskalpolitik im Falle einer wirtschaftlichen Stabilisierung entwickelt werden. Die Notwendigkeit solcher Schritte ist auch im Jahr der Bundestagswahl klar zu kommunizieren.
  • Die übrigen EU-Staaten haben gleichfalls mit gravierenden Haushaltsproblemen zu kämpfen. Vorstöße, den Europäischen Stabilitäts- und Wachstumspakt aufzuweichen, helfen bei der Problemlösung aber nicht weiter. Sie schaden sogar, da sie die mittelfristigen Inflationsbefürchtungen anheizen, ein heikles Konfliktfeld mit der Europäischen Zentralbank eröffnen und zu höheren Zinsen sowie ungünstigeren Zukunftsperspektiven in den Euro-Ländern führen können.

Kompletter Konjunkturbericht als Download [PDF - 88 KB]

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