Konjunkturbericht - Januar 2010
Aufschwung oder Wellblechkonjunktur?
- 2009 ist nicht nur das Jahr mit dem größten Konjunktureinbruch, sondern auch das Jahr eines bedeutenden Stabilisierungserfolges. Von der erfolgreichen Stabilisierung zu einem kräftigen Wirtschaftsaufschwung ist es jedoch noch ein weiter Weg. Zwar hat sich der Konjunkturhorizont insgesamt aufgehellt, aber gerade in den Industrieländern werden die Kräfte eines selbsttragenden Aufschwungs noch schwach bleiben.
- Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts in Deutschland um 5 % zeigt, dass trotz der Überwindung der Rezession der Aufschwung noch nicht gefestigt ist. Bislang ist lediglich die Stabilisierung auf dem erreichten niedrigen Niveau gelungen.
- Die Rezession hat zu einer deutlichen Strukturverschiebung in der deutschen Wirtschaft geführt. Die Industrie steht 2009 nur noch für knapp 22 % der Wirtschaftsleistung. Der Anteil aller Dienstleistungen an der Wertschöpfung in Deutschland erreicht dagegen knapp 73 %. Als Folge der Wirtschaftskrise ist der tertiäre Bereich so groß wie nie zuvor.
- Diese Strukturverschiebung dürfte jedoch nicht von Dauer sein. Denn eine Rückkehr zum Niveau der gesamtwirtschaftlichen Wirtschaftsleistung vor der Krise wird nur möglich sein, wenn die Industrie ihre Bedeutung für die deutsche Wirtschaft zurückerlangt.
- Derzeit spricht vieles dafür, dass die positive Bilanz des Arbeitsmarktes 2009 in diesem Jahr nicht fortgeschrieben werden kann. Denn einerseits ist das Potenzial der Kurzarbeit weitgehend ausgeschöpft, andererseits wird die wirtschaftliche Erholung nicht ausreichen, um die brachliegenden Kapazitäten der Industrie wieder auszulasten. Ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit ist nur zu vermeiden, wenn die Tarifpartner jenseits der Kurzarbeit Mittel und Wege finden, Entlassungen zu vermeiden.
- Der Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird daher erneut von der Exportnachfrage getragen werden. Ein klarer Aufschwungtrend ist allerdings nicht zu erkennen. Vielmehr dürfte der vor uns liegende Konjunkturverlauf einer Wellblechform gleichen – mit einer Abfolge von positiven Entwicklungen und nachfolgenden Rückschlägen.
- Die Stützungsmaßnahmen für die Finanzmärkte und die Konjunkturprogramme des vergangenen Jahres waren erfolgreich und wurden nicht zuletzt deshalb von den Bürgern als richtig und notwendig, aber ebenso auch als außerordentliche Maßnahmen verstanden. Diese Akzeptanz ist verbunden mit der Erwartung, dass die damit einhergehende Verschuldung in einem angemessenen Zeitrahmen auch wieder zurückgeführt wird. Die Finanz- und Steuerpolitik darf diese Erwartung nicht enttäuschen. Daher gibt die Konsolidierungsaufgabe den Spielraum vor, der für eine Reform des Steuersystems zur Verfügung steht.
- Entgegen der weit verbreiteten Meinung sind Leistungsbilanzdefizite in der europäischen Währungsunion durchaus von Bedeutung. Wenn nun für einige Länder die Finanzierung der Schulden schwieriger wird und gleichzeitig Reformen unterbleiben, mit denen die Wettbewerbsfähigkeit des jeweils betroffenen Landes verbessert werden könnte, dann wird sich nicht nur die Wirtschaftskrise in diesem Land verlängern; sie wird sich auch in Form von Wachstumseinbußen auf den Rest der Währungsunion übertragen.
Vollständiger Konjunkturbericht [PDF - 86
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